Babycalf: Kalbleder aus leichten Fellen mit glatten (selten auch gekrispelten) Narben. Babycalf wird niemals geprägt, sondern nur glanzgestoßen oder lediglich gebügelt.
Balgverschluss: Lasche unterhalb der Schnürung, die das das Eindringen von Schmutz oder Wasser in den Schuh verhindert. Synonym: Staub- oder Wasserlasche. Siehe „Staublasche“.
Ballenbreite: Maß der breitesten Stelle des Fußes, gemessen über die Ballen von Kleinzehe und Großzehe.
Ballenpartie: Umfasst den Groß- und Kleinzehenballen sowie den dazwischen liegenden Bereich. Siehe „Schuhpartie“.
Ballenschutz: Zusätzliches Außenschaftteil in länglich-ovaler Form zum Schutz des Ballens, das in Höhe des Außenballens auf den Schaft genäht ist. Oft bei Radrennschuhen aber auch an Autorennfahrerschuhen zu sehen.
Ballenumfangmaß: Um die Ballenpartie gemessener Umfang des Fußes.
Balmoral: Überknöchelhoher Stiefel im Ringsbesatzschnitt. Die Bezeichnung Balmoral geht zurück auf das Schloss Balmoral, wo die englische Königin Victoria und ihr Mann Prince Albert längere Zeit verbrachten und diese Art von Stiefel oft trugen. Hat der obere Teil des Schafts eine andere Farbe oder besteht er aus einem anderen Material, spricht man von einer Einsatzstiefelette. Wird diese mit einer Reihe von Knöpfen geschlossen spricht man von einer Knopfstiefelette. Balmorals sind für beide Geschlechter geeignet und unterscheiden sich nur in der Absatzhöhe. Synonym: Blattschnittbesatzstiefel. Siehe „Ringsbesatzschnitt“.
Beatles-Boot: Variante des Chelsea-Boot (knöchelhoher, unverzierter Schuh mit seitlichem Elastikeinsatz) mit sehr eng zulaufender Schuhspitze und höherem, geschweiften Absatz. Die Popgruppe The Beatles trug diesen Schuh in den sechziger Jahren häufig. Siehe „Chelsea-Boot“.
Beefroll: Rindsrouladenähnliche Verdickung im Bereich der Nahtenden des Blatteinsatzes, wo die Brücke bei einigen Pennyloafermodellen rechts und links des Spanns vernäht ist. Erstmals von der amerikan. Firma Sebago 1946 vorgestellt und bis heute erhältlich.
Beizen: Arbeitsschritt der Gerbung, bei dem der Blöße Eiweiß entzogen wird, damit das Leder später weich und schmiegsam ist. Oberleder werden deshalb immer gebeizt, Bodenleder nicht oder nur schwach.
Benchmade: Unscharfer Begriff. Ursprünglich wurde er für Schuhe benutzt, deren Schaftteile mit der Hand ausgeschnitten wurden. Das spart die Kosten für die Herstellung der Stanzeisen und war deshalb bei kleineren Serien sinnvoll. Heutzutage ist mit B. meist eine Einzelanfertigung gemeint, bei der ein einziger Schuhmacher sämtliche Arbeitsschritte des Schuhbaus erledigt. Hinsichtlich der Nähtechnik (Goodyear oder handeingestochen) sagt dieser Begriff nichts aus. Frei übersetzt bedeutet er soviel wie „an der Werkbank/Schusterbank gemacht“.
Bergschuhleder: Schweres, standiges Vollleder vom Rind. Entweder narbenseitig oder fleischseitig (Huntingleder) verarbeitet. Siehe „Huntingleder“.
Berlin (Wool) Work: Gestickte farbige Muster und Bilder in Seiden- oder Canvasgewebe, die Anfang des 19. Jahrhunderts in Berlin aufkamen, oft mit Wolle durchgeführt wurden und sich in ganz Deutschland rasch verbreiteten. Durch Ausstellungen, mehr häuslicher Freizeit der Frauen, wie auch durch Frauenzeitschriftenwurde diese Arbeit auch in Großbritannien und den USA sehr beliebt. Nach der Herkunft der Bildvorlagen nannte man sie „Berlin Work“ oder „Berlin Wool Work“. Die gestickten Arbeiten stellten biblische oder historische Szenen, Blumenmotive, literarische Themen oder exotische orientalische Bilder dar. Auch Sinnsprüche wurden mit dem Aufkommen der Romantik gestickt. Im Bereich der Schuhe fanden sich gestickte Bild- oder heraldische Motive auf den Vorderblättern von samtenen Hausschuhen wieder (Pantoffel und Prince Albert Slipper).
Berufsschuhe: Berufsschuhe sind Schuhe nach DIN EN 347-1, die keine Zehenschutzkappen haben müssen, mit einem oder mehreren schützenden Bestandteilen.
Besatzschuh: Kurzform für Ringsbesatzschuh. Schuhe mit einer Schaftschnittart des Ringsbesatzschnitts. Dabei zieht sich das Vorderblatt beidseitig der Schnürung bis nach hinten zur Fersennaht. Auf den ersten Blick leicht mit einem Longwing zu verwechseln. Beim Longwing handelt es sich jedoch um eine aufgesetzte Zierkappe, die über dem Vorfuß geschwungen ist. Als Dolomitenschnitt ist diese Schaftschnittart auch bei Wanderschuhen bekannt. Siehe: „Longwing“, „Ringsbesatzschnitt“, „Dolomitenschnitt“.
Beschichtetes Leder: Mit dünnem Kunststofffilm überzogenes, lacklederähnliches Leder. Um sich noch Leder nennen zu dürfen, darf der Überzug nicht mehr als ein Drittel der gesamten Lederstärke ausmachen und nicht stärker als 0,15 mm sein. Solches Leder hat eine stark verminderte bzw. keine Atmungsaktivität.
Beschlag: Ursprünglich relativ große, oft um Kanten herumreichende kleine Metallplatten zur Verstärkung und dem Schutz von Kanten und Ecken (Schuhsohlen, Möbelstücke, Koffer). Als Schuhsohlen noch sehr lange halten mussten, wurden sie an vielen Stellen mit auswechselbaren Beschlägen versehen. Heute finden sich Beschläge noch an speziellen Bergschuhen und Arbeitsschuhen von Holzfällern. Diese Kantenbeschläge sorgen für einen besseren Kantenhalt beim Durchwandern von nassen Bergwiesen am Hang und auf nassen Baumstämmen. Im weiteren Sinn werden auch die Metallplättchen, die unter die Schuhspitze genagelt werden, als Beschläge bezeichnet. Man unterscheidet Drakoni, Tschernken, Hundsköpfe usw.
Besohlen: Das Befestigen einer neuen halben, dreiviertel oder ganzen Laufsohle durch Nähen oder/und Kleben an den Rahmen, die Brandsohle oder eine noch vorhandene abgenutzte und vorbereitend angeschliffene Laufsohle.
Bespoken shoes: Englische Bezeichnung für Maßschuhe, also für Schuhe, die nach den Fußmaßen des Auftraggebers und seinen Material- und Designvorgaben in reiner Handarbeit hergestellt werden. Synonym: made to measure shoes, Maßschuhe. Siehe „Maßschuh“.
Biesenrahmen: Ein zusätzlicher (Leder-)Streifen der zusammen mit dem Einstechrahmen mittels der Einstechnaht an der Brandsohle befestigt wird. Am fertigen Schuh steht der Biesenrahmen im 90°- Winkel vom Rahmen an den Schaft gelehnt hoch. Meist verziert und kontrastierend gefärbt. Nicht zu verwechseln mit einem Sturmrahmen (stormwelt), der Bestandteil des normalen Einstechrahmens ist. Biesenrahmen dienen lediglich der Verzierung. Siehe „Sturmrahmen“.
Blake-genäht: Bezeichnung für die durchgenähte Machart. Der Name leitet sich vom Erfinder der Durchnähmaschine Lyman R. Blake ab. Diese Bodenmachart wird durch eine Naht gekennzeichnet, die durch die Brandsohle, den darunter eingeschlagenen Schaft (Zwickeinschlag) und die Laufsohle geht. Es gibt verschiedene Varianten des Blakenähens. Siehe „Durchgenähte Machart“, „Littleway“, „McKay, Gordon“.
Blakegenäht mit Rahmen: Kombinierte Machart, die der durchgenähten Machart zuzurechnen ist, da jene die zuerst angewendete Machart dieses kombinierten Bodenbefestigungsverfahrens ist. Hierbei wird im Durchnähverfahren unter die Brandsohle und den Zwickeinschlag ein recht breiter Rahmen (McKay-Rahmen bzw. Sohlenkeder) angenäht, an den wiederum die Laufsohle separat angedoppelt wird. Aufgrund seiner Machart kein rahmengenähter, sondern ein durchgenähter Schuh, jedoch mit drei typischen Vorteilen die auch rahmengenähte Schuhe haben: Der einfache Laufsohlenersatz durch die separate Naht am Rahmen, relative Wasserdichtigkeit durch die Sohlenbefestigung und eine Dämpfungsschicht durch die Ausballmasse, die in den Hohlraum unter der Brandsohle eingestrichen werden kann. Siehe „kombinierte Machart“, „kombiniert Durchgenäht“.
Blatt: Kurzform für Vorderblatt, dem Vorderteil des Schuhschafts.
Blatteinsatz: Teil des Schafts im Vorderteil des Schuhs oberhalb des Fußrückens im Bereich der Zehen und Ballenpartie. Seitlich und nach unten zur Sohle durch ein anderes Schaftteil abgegrenzt, mit dem es durch eine Naht verbunden ist. Ins Auge fallend bei Mokassins oder Norweger-Modellen. Synonym: Spiegel oder Vordereinsatzteil. Siehe: „Spiegel“, „Vordereinsatzteil“, „Mokassineinsatzteil“.
Blattschnitt: Schaftgrundschnitt für Schnürhalbschuhe. Der Name kommt daher, dass das Blatt (vorderes Schaftteil) auf die Quartierteile (die beiden bis zu Ferse reichenden Seitenteile) aufgesetzt ist. Dieser Schaftschnitt ist die Basis aller Oxfordmodelle und Schuhe mit einer geschlossenen Schnürung. Aus diesem Grund wird die Bezeichnung Blattschnitt auch zur Benennung von Schuhmodellen mit geschlossener Schnürung verwendet. Blattschnitte sind bei traditionellen Schuhen sehr gebräuchlich, haben aber den Nachtteil, dass der Einschlupf etwas eingeengt und die Passform nicht so anpassungsfähig ist wie bei Schaftschnitten mit einer offenen Schnürung. Der Blattschnitt gilt als eleganter als der Derbyschnitt mit offener Schnürung. Siehe auch: „geschlossene Schnürung“, „Oxford“, „Schaftschnitt“.
Blockabsatz: Mittelhoher Absatz mit breiter Auftrittsfläche (blockförmig). Die Absatzfront ist steil abfallend und die Absatzhöhe liegt zwischen 25 und 55 mm. Wenn die Absatzfersenlinie geschwungen (nach innen eingezogen) ist, nennt man diesen Typ von Blockabsatz auch Kuba-Absatz. Siehe „Kuba-Absatz“.
Blöße: Aus der Wasserwerkstatt kommende, gesäuberte Lederhaut. Durch das Entfernen der Haare, der Epidermis und der Fleischteile wurde die Lederhaut bloßgelegt (daher der Name). Der nächste Arbeitsschritt dem die Blöße unterzogen wird, ist die eigentliche Gerbung.
Blucher: Internationale Bezeichnung für einen Schuhtyp mit offener Schnürung, der eigentlich „Blücher“ heißt. Eine Benennung, die aufgrund des in vielen anderen Sprachen nicht vorkommenden Umlautes selten verwendet wird. Die beiden miteinander zu verschnürenden Lederteile des Schnürverschlusses sind auf die Seitenteile des Schaftes aufgenäht. Dieser Schuhtyp gilt als weniger elegant als Schuhe mit geschlossener Schnürung (Oxford). Die Bezeichnung Blucher (gesprochen „Bluutscha“) stammt von den Schuhen, die der deutsche Generalfeldmarschall Blücher (*1742, †1819) seinen Truppen anfertigen ließ. Im amerikanischen Sprachgebrauch wird der Blucher synonym für alle Schuhe mit offener Schnürung verwendet, also auch für Derbys. Im europäischen Sprachraum differenziert man Schuhe mit offener Schnürung genauer in Derbys und Blücher/Blucher. Siehe „Derby“, „Offene Schnürung“.
Boden: Schuhunterteil, normalerweise bestehend aus Brandsohle, ggf. Zwischensohle, Laufsohle und Absatz. Nach oben schließt sich das Schuhoberteil, der Schaft an.
Bodenausputz: Abschlussarbeit an der Laufsohle, bei der diese kunstvoll gefärbt und anschließend poliert wird. Hierbei werden manchmal kleine Kunstwerke in Form von aufgemalten Motiven geschaffen. Heute ist ein derartig aufwendiger B. nur noch bei wenigen Schuhmarken und dort auch nur bei den Spitzenmodellen der Schuhoberklasse zu sehen.
Bodenbefestigungsverfahren: Grob unterscheidet man in geklebte, direktangesohlte und genähte Bodenbefestigungsverfahren. Das B. ist entscheidend für die Qualität sowie den Preis eines Schuhs. Im strengen Sinn schließt das Bodenbefestigungsverfahren das jeweils angewendete Zwickverfahren mit ein.
Systematisch betrachtet unterscheidet man drei verschiedene Gruppen von B.: Ein Originalbodenbefestigungsverfahren (Originalmachart) liegt immer dann vor, wenn mit den Maschinen, Einrichtungen und Werkstoffen die Bodenbefestigung so durchgeführt wird, wie es ursprünglich vorgesehen war. Beispiel: Goodyear-Machart bedeutet, mit der Goodyear-Einstechmaschine den Schaft und den Rahmen an der Brandsohlenrisslippe zu befestigen und anschließend mit der Goodyear-Aufdoppelmaschine die Zwischen- oder Laufsohle anzunähen. Eine Kombination (kombinierte Machart) ist gegeben, wenn zwei oder mehrere B. an einem Schuh angewendet werden. Beispiel: Der Rahmen wird eingestochen, die Langsohle aber geklebt. Oder: Zwischensohle durchgenäht und Langsohle geklebt. Oder: Der Rahmen/Keder wird durchgenäht und die Laufsohle wird aufgedoppelt. Die Einordnung Machart erfolgt stets nach der zuerst angewendeten Originalausführung. Eine Variation (variierte Machart) liegt immer dann vor, wenn bei einer Originalausführung oder einer Kombination verschiedene Werkstoffe oder Arbeitsmittel eingesetzt werden. Beispiel: Brandsohle mit aufgeschweißter Einstechlippe (Gemband statt Risslippe) oder ringsherum eingestochen (statt von Absatzvorderkante zu Absatzvorderkante). Synonym: Machart. Siehe „Machart“, „kombinierte Machart“, „Originalmachart“.
Bodenleder. Leder zur Herstellung von Schuhböden (Brand-, Zwischen- oder Laufsohle). Als Material dient 4-8 mm starkes Kernleder vom Rind. Insbesondere Laufsohlleder gibt es in sehr unterschiedlichen Qualitäten, die sich nach Art der Gerbung (lohgegerbt, grubengegerbt oder fassgegerbt) und im Preis unterscheiden. B. muss einerseits hochfest, zugleich aber auch leicht und biegsame sein. Laufsohlleder soll stark wasserabweisend und Brandsohlleder wasserdampfaufnehmend sein. Synonym: Sohlleder, Unterleder. Siehe „Brandsohlleder“, „Laufsohle“:
Bologna-Machart: Brandsohle aus verstärktem Futter- oder Oberleder wird durch eine Handnaht mit dem Schaft verbunden. Anschließend wird eine Laufsohle mit einer Durchnähnaht angenäht. Synonym: Tubolare-Machart. Siehe „Bodenbefestigungsverfahren“, „Machart“.
Bootee: Gebräuchliche Gruppenbezeichnung für knöchelhohe Schuhe, häufig warm gefüttert, für nasskalte Witterung. Der obere Schaftrand ist sehr weich gehalten, um störende Reibung oder Druck auf den Fußknöchel zu vermeiden. Die Bezeichnung sagt nichts über den Schaftschnitt aus, der entsprechend unterschiedlich sein kann und sowohl offene, wie auch geschlossene Schnürungen umfasst.
Boots: Englische, auch im deutschen Sprachraum gebräuchliche Bezeichnung für Stiefel und Stiefeletten. Sie reichen etwa 5-10 cm über den Knöchel und bieten in der kalten und nassen Jahreszeit den Füßen mehr Schutz. Sowohl mit offener wie mit geschlossener Schnürung, aber auch mit anderen Verschlüssen (z. B. Reißverschluss) oder ohne Verschluss (z. B. mit Gummibandeinsatz) erhältlich. Üblich ist eine doppelte Sohle zum Schutz gegen die Bodenkälte. Siehe „Stiefel“, „Stiefelette“.
Bootschuh: Klassisches Schuhmodell für den Segelsport, welches auch zu Lande sehr beliebt ist und in den 1930er Jahren vom Hobbysegler Tom Sperry entwickelt wurde. Auch Boatshoe genannt (engl. boat = Boot). Für den Einsatz an Deck gedachter Lederschuh aus wasserunempfindlichem Leder in Mokassinmachart mit rutschfester, nicht abfärbender, im Original weißer, durchgenähter Gummisohle und um den Einstieg herum getunneltem Lederriemen der zur Schnürung benutzt wird. Oft wird der Begriff Docksides, Docksider bzw. Topsider für solche Schuhe gebraucht. Diese Begriffe sind geschützte Begriffe der amerikanischen Hersteller Sebago, Timberland bzw. Sperry für diese Schuhmodelle.
Borkeleder:Nach der Gerbung nicht weiter zugerichtetes Leder.
Bottine: Französische Bezeichnung für Knöchelstiefel, wie sie um die Jahrhundertwende (19./20. Jh.) modern waren.
Bout fleurie: Ornamentale Perforation auf der Vorderkappe von entsprechend verzierten Schuhen (Halfbrogues, Fullbrogues). Dieses Muster setzt sich aus verschieden großen, in geometrischer Anordnung befindlichen Löchern zusammen. Synonym: Rosette. Siehe „Broguing“.
Boxcalf od. Boxkalb: Feines, festes, vollnarbiges, unkorrigiertes Glattleder mit sehr glatter Oberfläche (selten gekrispelt) aus den Häuten junger (60 bis 90 Tage alter) meist alpenländischer Milchkälber. Pflanzlich, chrom- oder auch kombiniert (chemisch/pflanzlich) gegerbt. Das typische hochwertige Schuh- und Taschenleder schlechthin. Als Schuhleder üblicherweise chromgegerbt. In England ist Boxcalf traditionell schwarz. Andersfarbig wird es „willow calf“ genannt.
Brandsohle: Der Teil des Schuhbodens von der Schuhspitze bis zur Ferse, auf dem der Fuß zu stehen kommt, vorausgesetzt die B. ist nicht mit einer zusätzlichen Deckbrandsohle beklebt. Bei billigeren Schuhen oft mit einer zusätzlichen Decksohle (aus dünnem, billigen Leder) überzogen. Die B. sollte aus erstklassigem, vegetabilgegerbten und sonst unbehandeltem Rindleder sein, da sie das Fußklima (Schweißaufnahmevermögen) und den Tragekomfort beeinflusst. Ist eine ledernde Brandsohle minderer Qualität, kann sie Gerbstoffe abgeben und Fußsohlenbrennen (daher vermutlich auch ihr Name) verursachen. Ferner hat die B. eine den Schuh stabilisierende Aufgabe, weshalb sie auch als Rückgrat des Schuhs bezeichnet wird. Extrem wichtig für die Fußgesundheit ist die Form der Brandsohlenfläche (abhängig von der Leistenform und dem Schuhdesign), da nur sie die strahlengerade Lagerung der Zehen gewährleisten kann.
In die B. können orthopädische Elemente (z. B. Pelotten) eingearbeitet (oder aufgebracht) sein. Sehr hochwertig gefertigte Maßschuhe haben eine der Form der Fußunterseite entsprechend dreidimensional geformte B. In der Regel ist sie jedoch mehr oder weniger flach. Auf ihrer Unterseite wird bei rahmengenähten Schuhen das Gemband aufgebracht, die Risslippe erzeugt oder stattdessen der Einstechdamm herausgearbeitet. Aus diesem Grund ist sie extrem wichtig für die Gesamtqualität eines rahmengenähten Schuhs und wird in diesem Zusammenhang auch Rahmenbrandsohle genannt.
Um Kosten zu sparen, oder/und um den Schuhboden flexibler zu gestalten werden auch geteilte Brandsohlen hergestellt und in die Schuhe eingebaut. Die Brandsohlenteile werden dann entsprechend ihrer Teilung als Brandsohlenhinterteil, -vorderteil und ggf. Brandsohlenballenteil bezeichnet. Dabei wird die B. in der Länge, in zwei oder drei Teile geteilt, die aus verschiedenen Materialien oder Materialmixen bestehen. Bei billigen Schuhen ist die B. oft aus Pappe, Vlies, Spaltleder oder kaschierten Textilien. In letzter Zeit werden verstärkt B. aus Texon in mittelpreisiges Schuhwerk eingebaut. Synonym: Innensohle.
Brandsohlenlippe: Einer von mehreren gebräuchlichen Begriffen für den Steg an der Brandsohlenunterseite, an welchem der Schaft und der Rahmen bei einem rahmengenähten Schuh angenäht werden. Es kann sich dabei um eine (doppelte) Risslippe oder um ein Gemband handeln. Siehe „Risslippe“, „Gemband“.
Brandsohlenrangierung: Im weiteren Sinn jegliche Form der Bearbeitung der Brandsohle. Im engeren Sinn die Bearbeitung der Brandsohlenränder. Wichtig für einen satten Sitz des Schaftes unter der Brandsohle und dessen enger Vernähung mit der Brandsohle. Ist die Brandsohle nicht ausreichend unterrangiert, ist die Einstechnaht zu locker und der Schuh wird vorzeitig verschleißen.
Brandsohlleder: Flexibles Rindleder pflanzlich oder – bei billigeren Schuhen – kombiniert gegerbt. Hat eine wichtige, den Schuh stabilisierende Funktion und für den Tragekomfort (Flexibilität und Wasserdampfaufnahmevermögen) entscheidende Funktion. Siehe „Brandsohle“.
Brannock-Device: Mechanisches Messgerät zum Ermitteln der Fußlänge, Fußbreite und Länge des Fußinnengewölbes.
Brannock-Maßsystem: Auf Inch basierendes, in Brannock-Size (1,5 Zoll kleiner als das vergleichbare amerikanische Size) ausgedrücktes System zur Ermittlung der für eine gute Schuhpassform relevanten Fußmaße (neben Breite und Länge des Fußes wird auch der Abstand zwischen Fersenauftrittspunkt und Großzehenballen ermittelt). Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit einen passenden Schuh zu erhalten größer als bei den Systemen, welche die Länge des inneren Fußlängsgewölbes nicht beachten.
Brogue: Bezeichnung für Herrenhalbschuhe deren Schaftteilkanten und ggf. auch die Vorderkappe verzierende Lochmuster (Löcher verschiedener Größe und Anordnung) aufweisen. Zumeist als Blattschnitt, insbesondere der so genannte Fullbrogue (Flügelkappenmodell) und der Halfbrogue (mit Querkappe). Brogues gelten immer als sportlicher als ein Glattlederschuh ohne Verzierung. Siehe „Halfbrogue“, „Fullbrogue“, „Longwing“.
Broguing: Bezeichnung für die zur Zierde des Schuhs eingesetzten Perforationen in aufgesetzten Schaftteilen (Kappen) und Schaftteilkanten. Das zentrale, auf der Vorderkappe befindliche, ornamentale Muster wird Rosette oder Bout Fleurie genannt. Die Motive können vielfältig sein. Werden die Schafteilkanten mit einer Lochung verziert, nennt man dies Lyralochung (zumeist ein großes Loch flankiert von zwei kleineren Löchern). Siehe „Perforation“.
Brücke: Bei Pennyloafern quer über den Fußrist verlaufendes bandartiges Schaftteil mit der bekannten fensterartigen Aussparung zur Verstärkung dieser beim Loafer besonders belasteten Schaftstelle. Die Brücke kann kurz (von Blatteinsatznaht zu Blatteinsatznaht), mittellang (seitlich am Schaft angenäht) oder lang (bis in den Schuhboden reichend) sein. Synonym: Riegel, Querriegel, Bridge. Siehe „Pennyloafer“.
Brushleder: Hochpoliertes, glänzendes und deckgefärbtes Glattleder meist von Häuten älterer Tiere (Rind), selten Kalb, die aufgrund ihrer Narbenschäden (Muttermale, Verletzungen) beim Zurichten zunächst etwas abgeschliffen werden, um diese Fehler etwas zu egalisieren. Aufgrund von sich relativ stark abzeichnenden Gehfalten werden diese Leder nicht für die Produktion von Oberklasseschuhen verwendet. Synonym: Brush-off-Leder.
Budapester: Im engeren Sinn eine Leistengrundform. Auch Bezeichnung eines auf dieser Leistenform gefertigten Schuhmodells: Fullbrogue (schottisch gelochter Derby mit Flügelkappen), breit und hoch mit leicht aufgeworfener Spitze und zwiegenähter doppelter Sohle. In Ungarn nennt man B. auch „Karlsbader“.
Büffelleder: Meist vegetabil oder pflanzlich-chrom gegerbtes Leder aus Büffelhäuten des in Indien und Indonesien lebenden Wasserbüffels. Siehe „Carabaoleder“.
Buggen: Umfalten von Leder oder anderen Stoffen an der Kante, um einen sauber abgerundeten Abschluss zu erzielen. Synonym: Bending und Umbuggen. Gegensatz: offenkantig.
Bürsten: Kurzform für Schuhbürsten. Bessere Bürsten haben einen Holzkörper und eine Besteckung mit Naturhaaren. Handgesteckte Bürsten sind reparierbar und die Haare leiden nicht so stark beim Einziehen, wie bei einer maschinellen Besteckung in Sacklöchern (einzelne Haare brechen ab und sind somit der Bürste für immer verloren). Gute Schuhbürsten halten viele Jahrzehnte. Man unterscheidet grobe Schmutzbürsten (Schweinsborsten, Agavefasern), Staubbürsten und Glanzbürsten (Rinderhaare, Pferdehaare), ferner Auftragbürstchen (Pferdeschwanzhaare) und Raulederbürsten (Krepp, Gummi, Messingdraht). Daneben existieren noch (Fein-)Polierbürsten (Ziegenhaar, Lammfell) und Exoten, wie beispielsweise Rahmenbürsten, die dazu gedacht sind, die Schuhrahmen und das oberhalb davon im Sohlen-Schaft-Winkel schwer zugängliche Schaftleder zu pflegen. Siehe „Auftragbürste“, „Glanzbürste“, „Polierbürste“, „Schmutzbürste“, „Staubbürste“.
Bürstfärbung: Die B. dient der einseitigen Lederfärbung. Dabei wird das Leder auf einer leicht geneigten Färbtafel ausgebreitet und die Farbe mit einer Bürste auf die Narbenseite aufgetragen und eingerieben. Zur Erzielung einer gleichmäßigen Färbung sind mehrere Farbaufträge notwendig. Ausschließlich bürstengefärbte Leder sind selten. Es handelt sich dann meist um derbes Schuhwerk in dunkleren Tönen.
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