Abnahmemethode: Methode zur Herstellung vonMaßleisten aus Rohleisten, wenn der Fuß schmaler oder der Spann flacher als der Durchschnitt ist. Der Maßschuhmacher entfernt dabei vom in Frage kommenden Leistengrundmodell Material. Siehe „Aufsatz-Methode“.
Abnehmer:Kleiner, scharfer Hobel mit Führung, um überstehende Lederteile präzise entfernen zu können: Verwendung zum Angleichen von Sohlenrand und Absatzkante.
Abrollabsatz: Schuhabsatz, dessen hintere Auftrittsstelle (die untere, hintere Kante) abgerundet ist. Dadurch nutzt sie sich weniger schnell ab und der Auftritt geht leichter in die Standphase über. Oft zu sehen bei sportlichem Schuhwerk (z. B. bei Wanderschuhen und Sportsandalen). Synonym: Joggingabsatz.
Absatz: Kurzbezeichnung für Schuhabsatz. Erhöhung des Schuhs an der Ferse, bei hochwertigen Herrenlederhalbschuhen und Lederstiefeln durch einen Aufbau mehrerer Lederschichten (Schichtabsatz oder Bauabsatz) übereinander. Bei handelsüblichen Massenschuhen vorwiegend aus Lederfasermaterial (Melwo) oder Kunststoff. Die Absatzhöhe ist an die Leistengrundform (Fersensprengung) gebunden, und kann daher bei gleichem Leisten nur geringfügig variiert werden. Bei Herrenschuhen ist eine Absatzhöhe von 2,5 Zentimetern üblich (Westernboots ca. 4 cm). Der Absatz entlastet das Fersenbein und die Fußlängsgewölbe.
Historisch sind die ersten Absätze von den Mongolen bekannt. Dieses Reitervolk hatte schon im 12. und 13. Jahrhundert unter seinen Stiefeln hellrote hölzerne Absätze. In der europäischen Schuhmode tauchte der Absatz erstmals um 1600 auf und wird, da mit Reitern assoziiert, mit Wohlstand und Adel in engen Zusammenhang gebracht. Unter dem Einfluss der Aufklärung verschwand der Absatz im späten 18. Jahrhundert mit der französischen Revolution als aristokratisches Symbol schlagartig. Erst im Biedermeier (1815 -1848) gewann der Absatz wieder an Bedeutung.
Absatzfersenlinie: Die vertikale, den Absatz nach hinten begrenzende Linie bei seitlicher Betrachtung. Diese Linie kann gerade, schräg, geschweift oder abgerundet sein. Bei den Absätzen von Herrenhalbschuhen ist sie in der Regel gerade (bei sportlichen Schuhen evtl. als Abrollabsatz geformt). Bei Boots (z. B. Westernstiefel) ist die A. häufig schräg oder abgerundet. Die A. ist bedeutend für verschiedene Absatzformen.
Absatz(bau)fleck: In Form des Absatzes ausgeschnittene Lederschichten aus (alt-)grubengegerbtem Leder aus denen der Lederabsatz guter Herrenschuhe aufgebaut ist. Die letzte Schicht, oft mit einem Gummieinsatz versehen, wird Oberfleck oder Lauffleck genannt. Um einen guten Absatzstand zu erreichen, werden auch Absatzkeilflecken, also keilförmige, zur Absatzfront schräg auslaufende A. verwendet. Absatzkeilflecken müssen nicht die ganze Absatzfläche bedecken. Siehe „Absatzstand“.
Absatzform: Entsprechend ihrer Grundform unterscheidet man in Blockabsatz, Diaboloabsatz, (Lang-, Kurz-, Gelenk- oder Steg-)Keilabsatz, Quaderabsatz (oder Trotteur) und Trichterabsatz. Siehe „Trotteurabsatz“.
Absatzfrontfläche: Die nach vorne weisende Seitenfläche des Absatzes. Bei höherwertigen Schuhen oftmals der Oberlederfarbe entsprechend eingefärbt. Früher wurde die Absatzfrontfläche auch Absatzbrust genannt.
Absatzmantel: Die seitliche Außenfläche des Absatzes. In der Regel schwarz, dunkelbraun oder in der Oberlederfarbe eingefärbt. Bei nicht eingefärbten Absatzmänteln lassen sich die einzelnen Lederschichten des Lederschichtabsatzes gut erkennen. Bei diesen so genannten Bauabsätzen ist die fachlich ganz korrekte Bezeichnung der äußeren Absatzflächen „Absatzschnittflächen“. Billigschuhe haben aus einem Stück bestehende Absätze aus eingefärbtem Kunststoff, deren Absatzmantel oft eine Riffelung zeigt, um den Anschein von mehreren Schichten zu erwecken.
Absatzoberfleck: Lauffläche des Absatzes. Siehe „Oberfleck“.
Absatzsprengung: Bestimmt die Absatzhöhe des Schuhs. Vorgegeben vom Leisten. Kann nachträglich nur minimal verändert werden, wenn nicht die gesamte Schuhstatik leiden soll. Synonym: Gelenksprengung.
Absatzstand: Der Schwerpunkt des Fersenauftritts wird vom Leisten vorgegeben. Damit der Körper richtig ausbalanciert werden kann, ist es sehr wichtig, dass der Absatzoberfleck bei Gewichtsbelastung ganzflächig aufsteht. Leider kommt es immer wieder vor, dass selbst bessere Schuhe einen schlechten „Stand“ haben, das heißt, dass die Aufstandsfläche der Sohle im Ballenbereich und die Absatzaufstandfläche nicht absolut parallel zueinander verlaufen. Der Schuhträger ist bei Schuhen mit einem schlechten „Stand“ gezwungen, dies permanent aktiv auszugleichen. Hochwertig gearbeitete Schuhe werden so perfekt gebaut, dass der A. abschließend nicht mehr korrigiert zu werden braucht. Bei weniger gut gebauten Schuhen wird der Absatz „in Stand“ geschliffen, so dass er wieder flächig aufsteht. Unachtsam gebaute Schuhe weisen einen schlechten Stand auf und sind häufig nicht nachgearbeitet, so dass man sie aus der Entfernung als solche leicht erkennen kann, wenn sie auf einer ebenen Unterlage stehen. Siehe: Absatzstellung.
Absatzstellung: Die Linienharmonie oder Auftrittflächenharmonie von Absatz und Sohle im Ballenbereich. Um diese zu erreichen bedient man sich zur Ausgleichung der Fersenwölbung eines (oder mehrerer) Keder und mit keilförmigen Absatzflecken wird der gerade Aufstand des Absatzes bewirkt. Flache Absätze benötigen meist keine Keilflecken, wohingegen höhere Absätze oft mehrere Keilflecken zur Erzielung des richtigen Absatzstands erfordern. Siehe „Auftrittphase“, “Absatzstand“.
Abstoßphase: Der Moment beim Gehen, wenn sich der Fuß vom Boden wieder abstößt. Um keine Energie zu vergeuden oder Gelenke zu überlasten, soll der Schuh hierbei führend wirken. Siehe „Auftrittphase“, „mittlere Standphase“.
Abwicklungslinie: Auf der Trittspur zwischen den Hauptbelastungsstellen von Ferse und Großzehenballen gelegte Gerade. Bei einem gesunden Fuß verläuft diese Linie durch den Fersenmittelpunkt, den inneren Ballen und die Großzehe. Diese Linie ist nach ihrem Entwickler, Prof. Hermann von Meyer, in Fachkreisen als Meyersche Linie bekannt. Sie sollte den Verlauf der inneren Leistenkante und somit der Brandsohle bestimmen, damit die Großzehe später vom Schuh nicht aus ihrer naturgemäßen Lage gedrängt wird und eine Schiefzehe entsteht.
Aerosole: Als Aerosole bezeichnet man Gase, die feste oder flüssige Schwebstoffe enthalten. Typische Beispiele sind die Bestandteile des Nebels (Wassertröpfchen) oder des Rauches (Feststoffe). Da diese beim Einatmen lungengängig sind, sollten Aerosole nicht als Pflegemittel (Treibgas getriebene Sprays) zur Anwendung kommen. Alternativ gibt es Pumpsprays oder Produkte, die gänzlich auf ein Sprühen zur Aufbringung verzichten. Bei den verbreiteten Schuhpflegesprays muss ein Abstand von etwa 20 bis 30 Zentimeter eingehalten werden, wodurch ein Großteil des Gases in der Umgebungsluft und nicht auf dem Schuh landet, was die Gefahr des Einatmens weiter erhöht.
AGO: Die Abkürzung für„Another Great Opportunity“ steht für die Klebemachart von Schuhböden. Die Bodenmachart, nach der heute wohl die meisten Straßenschuhe erzeugt werden. Dabei wird zunächst das Oberteil mit einer Zwickmaschine an der Brandsohlenunterseite angeklebt. Die bereits vorkonfektionierte Sohle aus Leder, Gummi oder Kunststoff wird dann darüber geklebt und abschließend der Absatz befestigt. Die Bezeichnung AGO stammt vom gleichnamigen Nitrozellulose-Klebstoff, den der italienische Gerbereimechaniker Dr. F. Rampichini um 1911 auf der Basis von Kollodiumwolle entwickelte. Das bot erstmals die Möglichkeit Leder mit Leder haltbar zu verbinden, allerdings starr und nicht flexibel. Durch diese Erfindung wurde der genähte Schuh bereits in den 1920er Jahren des vergangenen Jahrhunderts weitgehend verdrängt. Mit Beginn der 1950er Jahre erlaubten die weiterentwickelten Klebstoffe auch flexible Klebeverbindungen. AGO-Schuhe sind relativ leicht, mäßig formbeständig und haben meist eine eingelegte Decksohle damit die darunter sichtbaren Täcks vom Zwickeinschlag nicht stören. Obwohl heute andere und vor allem auch lösemittelfreie Klebstoffe einsetzt werden, ist der Ausdruck AGO-Schuhe für geklebte Schuhe geblieben. Und wird verallgemeinernd auch direktangesohlte Schuhe in Abgrenzung zu den genähten Macharten verwendet. Synonym: klebegezwickte Machart. Siehe „direktangesohlte Machart“:
Agraffe: (1) Ein Haken, der dem Schuhverschluss dient und das Schnüren des Schuhs und den Einstieg (v. a. bei Stiefeln) erleichtern soll. (2) Klammerartiger Stift, mit dem der Schaft unter die Brandsohle „festgetackert“ (festgezwickt) wird. Siehe „Haken“, „Schnürhaken“.
Ahle: Werkzeug zum Stechen von Löchern in Leder oder Pappe. Der Schuhmacher benutzt zwei Ahlen: Die kurze Ahle zum Einstechen der Löcher für die Holzstifte im Keder und die lange Ahle zu Einstechen der Löcher für die Nähte in den Rahmen. Synonym: Pfriem, Schusterpfriem.
Alaungerbung: Gerbung in drehenden Fässern in einer Brühe aus Alaun und Kochsalz. Je nach Art der Häute und der Konzentration der Gerbbrühe dauert eine Alaungerbung zwischen 4 und 24 Stunden. Bei Schuhledern wird die Alaungerbung heutzutage nur noch für Reptilhäute und bei Wollfutterleder angewendet. Alaungegerbte Leder sind sehr dehnbar, wenig widerstandsfähig gegen Nässe, sehr weich, aber zugleich scheuerfest und im ungefärbten Zustand weiß.
Alpargatas: (1) Sohlen aus zusammengenähtem Pflanzenfasergeflecht (Sisalhanf oder Agavefasern). (2) Schuhe mit einer Sohle aus Pflanzenfasergeflecht und einem aus Leinen oder Bastgeflecht bestehenden, oft mit Stickereien verzierten Schaft. Die Sohlen sind mit einer Handnaht an den zehenfreien oder geschlossenen Schäften befestigt. Siehe „Espadrilles“.
altgegerbtes Leder: Leder, das nach dem langwierigen Altgrubengerbverfahren hergestellt wurde. Sehr hochwertige Leder. Bei Schuhen als Sohlleder in Verwendung. Synonym: lohgegerbtes bzw. altgrubengegerbtes Leder. Synonym: altgrubengegerbtes Leder, lohgegerbtes Leder. Siehe „Altgrubengerbverfahren“.
Altgerbung: Langwierige Art der Grubengerbung, um ein sehr haltbares Leder (Sohlenleder) zu erzeugen. Pflanzliche Gerbstoffe (keine Konzentrate!) werden als Lohe über einen Zeitraum von bis zu 18 Monaten (keine Gerbbeschleunigung!) eingesetzt. Ergibt sehr hochwertige Leder. Siehe „Altgrubengerbverfahren“. Synonym: Lohgerbung, Altgrubengerbung. Siehe „Altgrubengerbverfahren“.
Altgrubengerbverfahren: Traditionelles, naturreines Verfahren der Ledergerbung, das in alten, etwa zwei bis drei Meter tiefen Eichenholzgruben (heute auch teils Betongruben) durchgeführt wird. Beim Altgrubengerbverfahren kommen ausschließlich pflanzliche Gerbstoffe in Form von Baumrinden und Früchten zum Einsatz (pro Haut etwa 30 kg Rinde bzw. 20 kg Früchte). Der Gerbprozess dauert, je nach Stärke der Haut, mindestens neun, in der Regel neun bis zwölf Monate (maximal achtzehn Monate). Früher wurde zwischen achtzehn und vierundzwanzig Monate lang gegerbt. Erkennbar unter anderem an den daraus gefertigten Sohlen, die dunkelbraun waren (heutige altgrubengegerbte Sohlen sind hellbraun). Die Gerbung erfolgt ohne mechanische Bewegung, ohne Temperaturerhöhung und ohne gerbbeschleunigende Zusätze.
American welt: Englische Bezeichnung für die kombiniert-durchgenähte Machart. Synonym: McKay- welt. Siehe „Bodenbefestigungsverfahren“, „kombiniert-durchgenäht“.
amerikanische Größe: Amerikanisches Schuhlängenmaß. Man unterscheidet unterschiedliche Skalen für Kinder, Frauen und Männer (unterschiedlicher Nullpunkt auf der Skala). Die amerikanischen Schuhgrößen sind in Size angegeben, welche auf dem Inchsystem basieren. Sie sehen den englischen Größen (ebenfalls Size) zum Verwechseln ähnlich. Allerdings sind sie um ein zwölftel Zoll (2,116 mm) kürzer. Diese offiziell definierte Differenz wird bei vielen Anbietern zu einem halben oder ganzen Inch ausgedehnt, wodurch im Einzelfall immer sehr genau die Angaben des betreffenden Herstellers geprüft werden müssen. Das amerikanische Größensystem wird auch US-System genannt, ist aber nicht mit dem Brannock-System zu verwechseln, welches ebenso aus den USA kommt, und weltweit sehr verbreitet ist. Siehe „Schuhgrößen“, „Brannock-Maßsystem“.
angespritzter Boden: Eine bei hohen Stückzahlen sehr preiswerte und haltbare Bodenmachart. Siehe „direktangesohlte Machart“.
Anilinfärbung: Wenn heutzutage von Anilinfärbung die Rede ist, ist eine Transparentfärbung gemeint, wodurch die eigentliche Lederoberfläche erkennbar bleibt. Gegensatz: Deckgefärbt. Siehe „Transparentfärbung“.
Anilinleder: Traditioneller Begriff für ein ursprünglich mit wasserlöslichen Anilinfarbstoffen im Fass ohne Deckfarbe durchgefärbtes (nicht oberflächig gespritztes oder gestrichenes) Leder. Heute ein Sammelbegriff für durchgefärbte, teure Leder. Der Glanz ist etwas durchscheinend matt-leuchtend, was vor allem bei hellen Farben erkennbar ist. Dies setzt fehlerlose Rohware voraus, da Fehler und Falten nicht mit Farben zugedeckt werden können. Es fühlt sich wachsig an und hat eine matte Oberfläche. Das aus Teer gewonnene Anilin wir schon seit Jahrzehnten nicht mehr für Lederfarben verwendet. Siehe. „Transparentfärbung“.
Antikfinish: Spezielle Leder-Oberflächenfärbung oder Eincrememethode, die durch farbliche Schattierungen eine antike, edel-gealterte Oberflächenoptik ergibt. Kann auch vom Endverbraucher nachträglich auf viele Oberleder aufgebracht werden.
Antikleder: Ein Glattleder, das von verschiedenen Tieren stammen kann und entweder eine besondere, meist zweifarbige, „Antikfärbung“ aufweist oder in der Zurichterei bereits so behandelt wurde, dass es alt und gebraucht aussieht. Häufig auf „alt“ getrimmt, indem mit Bürst- und Poliereffekten eine Leder-Patina vorgetäuscht wird. Das Leder hat durch Pressen oder Wischen (Wischleder, Chesterfield-Leder) ein Aussehen nach altem Stil erhalten. Siehe „Zurichtung“.
Antique brush: Methode, bei der durch Bürsten am fertigen Schuh bei speziell präparierten Ledern eine antike Oberflächenoptik erzielt wird. Kann auch vom Endverbraucher nachträglich auf viele Oberleder aufgebracht werden.
Anwendungsbereichskategorie: Siehe „Anwendungsbereichskonzept“.
Anwendungsbereichskonzept: Von deutschen
Schuhproduzenten Meindl in den siebziger Jahren geschaffene Kategorisierung von Wanderschuhen nach dem Schwierigkeitsgrad des Geländes, wofür sie geeignet sind. Folgende Bereiche werden unterschieden: A (Walking auf guten Wegen, Parkanlagen, Wandern ohne nennenswertes Gepäck), B (anspruchsvolle Wanderungen, leichtes Gebirgstrekking, auch auf schlechten Wege, Mittelgebirge, 40-50 l Rucksack als Gepäck), C (Hochgebirgstouren, schlechteste Wege oder weglos, viel Gepäck) und D (steigeisenfeste Schuhe, Gletschertouren, Eisklettern, viel Gepäck). Zwischen diesen Hauptanwendungsbereichen gibt es auch Mischkategorien (AB und BC). Das Anwendungsbereichskonzept ist allgemein verbreitet und anerkannt. Mit seiner Hilfe lassen sich die für den jeweiligen Einsatzzweck geeigneten Wanderschuhe finden.
Anziehhaken: Kurzform für Stiefelanziehhaken. Hakenförmiges Hilfsmittel mit Handgriff zum Anziehen von Stiefeln mit Zugschlaufen. Siehe „Stiefelanziehhaken“.
Anziehschlaufe: Einstieghilfe für Stiefel in Form bandförmiger Schlaufen, zum Ziehen mit den Fingern, innen am oberen Schaftrand befestigt. Westernboots integrieren die Zugschlaufen auch in das Design, so dass sie auch außen angebracht sein können. Synonym: Zugschlaufe oder Struppe.
Appretur: Letzte auf eine Lederoberfläche aufgebrachte (Lack-)Schicht. Sie gibt der Zurichtung einen letzten Schutz. Damit bestimmt sie wesentlich den Griff und das endgültige Aussehen des Leders. Es gibt unterschiedliche A. (Kaseina., Kollodiuma., PUR-A., Plastikbindera. usw.), die jeweils unterschiedliche Stärken und Schwächen haben. Wir die Appretur nicht sorgfältig aufgebracht kann es in seltenen Fällen und bei falscher Anwendung von Schuhpflegemitteln zu unerwarteten Wechselwirkungen kommen. Diese Effekte werden oft auf das Pflegemittel abgeschoben, was ungerechtfertigt ist, da in den allermeisten Fällen das Leder unzureichend zugerichtet wurde.
Arbeitsschaftstiefel: Lang- und Halbschaftstiefel mit einer geraden Schaftabschlusskante und einem weiten, ungefütterten Rohr, welches entweder mit Seitennähten oder einem Hinterriemen versehen ist. Unter der Sohlenspitze und um diese herum befindet sich häufig eine Kantenstoßplatte. Siehe „Stiefel“, „Schaftstiefel“.
Äschern: Arbeitsschritt beim Gerben. Die Tierhaut wird in ein alkalisches Bad gegeben, um die Haare und das Fasergefüge der Haut zu lockern. Früher wurde hierfür Pottasche verwendet, was den Begriff erklärt.
Atmungsaktivität: Umgangssprachliche Bezeichnung für die Möglichkeit von flächigen Materialien, Wasserdampf passieren zu lassen. Um eine Atmungsaktivität zu ermöglichen sind einige Voraussetzungen notwendig: 1. Damit Wasserdampf passieren kann, bedarf es eines Druck- bzw. Temperaturgefälles von ca. 15° C zwischen Innen- und Außenseite. Atmungsaktive Bekleidung funktioniert daher im Winter besser, in den Tropen so gut wie gar nicht (oder gar umgekehrt: Feuchtigkeit von außen dringt vermehrt ein). 2. Das Obermaterial sollte gut wasserabweisend sein. Wenn es sich mit Wasser vollsaugt, kann kein Wasserdampf mehr passieren.
Bei Schuhen ist die Atmungsaktivität des Schaftes wichtig, welcher neben dem wichtigen Faktor Strumpf und zusammen mit einer saugfähigen Innensohle (oder einem schweißaufsaugenden, auswechselbaren Fußbett) für ein angenehmes Schuhklima sorgt. Klebstoffe zwischen Außenmaterialien und Futter vermindern die Atmungsaktivität enorm, weshalb gute Schuhe keine geklebten, sondern ausschließlich genähte Schäfte haben. A. wird zumeist in Verbindung mit sog. Klimamembranen gebraucht. Dort wird sie negativ beeinflusst durch Weichspüler, Schmutz, Schweiß, Hautfett und Cremes. Synonym: Wasserdampfdurchlässigkeit (fachlich: Wasserdampfdurchgangswiderstand). Siehe „Membran“, „Wasserdampfdurchlässigkeit“, „Klimamembran“.
Aufdoppeln: Annähen der Laufsohle an den Rahmen eines rahmengenähten Schuhs mittels einer Doppelnaht (Zweifadennaht), der sog. Steppstichnaht.
Aufsatz-Methode: Fertigungsart für Maßleisten, indem der vorgefertigte Leisten vom Schuhmacher durch zusätzliche Lederauflagen im Volumen vergrößert und dem Kundenfuß angepasst wird. Notwendig, wenn der Fuß breiter, der Spann oder die große Zehe höher oder die Ferse kräftiger ist als der durchschnittliche Leisten. Auf diesem korrigierten Leisten kann der Schuh gebaut werden. Besser ist es jedoch, wenn mittels eines Feinkopierers zuvor anhand des korrigierten Leistens ein neuer Maßleisten angefertigt wird. Siehe „Abnahme-Methode“.
Auftragbürste: Kleine Bürstchen mit dreieckigem, rundem oder rechteckigem Bürstenkopf und einem Stielgriff zum Auftragen von Schuhcreme auf das Oberleder. Gute Qualitäten sind aus einem Holzkörper mit Pferdehaarbesatz gefertigt, billigere Bürsten mit Kunststoffkörper und Kunstfaserborsten. Eine spezielle Gruppe sind Tiegelbürsten, deren rechteckiger oder runder Bürstenkopf die Haare in direkter Verlängerung des Holzgriffs trägt. Mit diesen Bürsten reicht man problemlos tief in den Cremetiegel hinein. Die klassischen Stielbürsten ermöglichen das nicht. Man sollte für jede Pflegemittelfarbe eine eigene Bürste verwenden. Statt mit der A. kann Schuhcreme auch mit einem Tuch aufgetragen werden.
Auftrittphase: Damit beginnt in der biomechanischen Betrachtung des Gehens die Standphase. Ziel des Schuhbaus ist es, in dieser Phase dämpfend zu wirken. Siehe „Abstoßphase“.
Ausballung: Material, mit dem der bei der Schuhfertigung von rahmen- und zwiegenähten Schuhen entstehende Hohlraum unter der Brandsohle ausgefüllt wird. Hierfür wird meist Kork (in Plattenform oder als Korkschrot mit Bindemittel zum Einstreichen) Filz oder Leder verwendet. Bei geklebten oder angespritzten Schuhen entsteht durch den Zwickeinschlag ebenfalls ein schmaler Hohlraum, in den als Ausballmasse Latex (Gummischrot), Leder, Spezialpappe oder Schaumstoff kommt. Durch Wärme und Gewicht des Trägers verformt sich die Ausballmasse und bildet mit der darüber liegenden Brandsohle ein individuelles leicht dreidimensionales Fußbett. Die Ausballung isoliert zudem gegen Hitze und Kälte des Bodens und dämpft den Auftritt.
Ausleisten: Entnehmen des Leistens aus dem Schuh, nachdem dieser auf dem Leisten aufgebaut wurde. Ein Vorgang, der mit Sorgfalt durchgeführt werden muss, um den neuen Schuh nicht zu überdehnen.
Ausputz: Abschließende Verschönerung des Schuhs, nachdem dieser gebaut wurde. Der Ausputz beinhaltet das Reinigen, Eincremen und Polieren des Schaftes, das Glätten, Einfärben, Wachsen und Eincremen des Sohlenrandes und des Absatzmantels. Verzierungen können mit dem Schnitteisen in den Sohlenrand gepresst und mit dem Zierrädchen individuelle Muster ins Leder gerollt werden. Auch die Laufsohle wird eingewachst oder –gefärbt. Eine scharfe Abgrenzung zum Begriff Finish existiert nicht. Siehe „Finish“.
Ausputzwachs:Wachs, mit dem die eingefärbten Oberflächen des Schuhs beim Finish dünn überzogen werden. Anschließend wird mit einem erhitzten Amboss das Wachs zusammen mit der Farbe in das Leder eingeschmolzen.
Ausrecken: Dehnen des Schaftleders beim Zwicken. Damit das Leder später beim Tragen des Schuhs sich nicht nennenswert weiter dehnt und dadurch die Passform beeinträchtigt, wird bei der Herstellung eines hochwertigen Schuhs das Leder nach dem eigentlichen Zwickvorgang noch einmal von Hand nachgezwickt und dabei ausgereckt. Bei der manuellen Schuhherstellung eine Selbstverständlichkeit, in Fabriken abhängig von der Sorgfalt beim Schuhbau.
Außenschaft: Äußere Schicht der den Schuhschafts bildenden Materialteile (Außenschaftteile). Der Außenschaft wird vom Innenschaft (Futter) logisch getrennt. Beides zusammen bildet den Schuhschaft. Ein Schuhschaft kann auch nur aus einem Außenschaft bestehen (Beispiel Mokassin, Bootsschuh) oder einen zusätzlichen Zwischenschaft (Zwischenfutter) haben. Siehe „Schaft“.
Auszacken: Schneiden/Stanzen der Lederkanten in Zackenform. Das geschieht mit Hilfe der Auszackmaschine, in die verschiedene Stahlwerkzeuge mit unterschiedlichen Mustern eingespannt werden. A. dient einerseits der Verzierung und andererseits dem Beseitigen von unschönen Schnittkanten.
Autofahrerschuhe: Gruppe von Halbschuhmodellen, die aufgrund ihrer Schaftkonstruktion und Bodenausführung zum entspannten und gefühlvollen, stundenlangen Autofahren besonders geeignet sind. Die teils vom Rallyesport inspirierten Schuhe haben entweder eine weit über den Fußrücken reichende Schnürung oder sind als Mokassin ausgeführt. Der Schaft ist mehrheitlich sehr weich mit Verstärkungen an Ferse und Fußaußenballen. Die Sohle ist dünn, rutschsicher und im Fersenbereich gerundet.
Avern: Seitliche, zum Bauch reichenden Teile der Kuhhaut. Aufgrund der weicheren Struktur höchstens zu Futterleder für Schuhe geeignet. Synonym: Flanke.
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